Implantatprothetik, die klinisch und zahntechnisch überzeugt
Hasselt (Belgien), 30. Juni 2010 —— Mit Hilfe von verschraubten Suprastrukturen lässt sich eine Patientenklientel gewinnen, die ansonsten von den Fortschritten in der Implantologie eventuell nicht profitieren würde. Dafür nehmen zahlreiche Labors bereits erfolgreich den CAD/CAM-Service Compartis ISUS in Anspruch. Am 17. Juni 2010 öffneten DeguDent und sein Schwesterunternehmen E.S. Healthcare, anlässlich einer Pressekonferenz an deren Firmensitz im belgischen Hasselt, die dortige High-tech-Produktion für einen Einblick in eine faszinierende Technik. Zwei Top-Referenten, ZTM Alexander Drechsel, Passau, und Zahnarzt Dr. Sven Rinke, Klein-Auheim, bereicherten die Veranstaltung mit fundierten Einschätzungen aus zahntechnischer wie klinischer Sicht.
Als Partner für den Service Compartis ISUS von DeguDent, stehen dem Labor die Compartis ISUS-Planungscentren in Hanau und Wachtberg-Villip zur Verfügung. Das genaue Prozedere läuft folgendermaßen: Der Zahntechniker erhält vom Zahnarzt die Situationsabformung und fertigt das Modell mit den Laboranalogen an. Dieses wird nach einem Anruf im Compartis ISUS Planungscenter abgeholt und dort eingescannt. Anschließend erfolgt eine virtuelle Modellation nach den exakten Vorgaben des Zahntechnikers. Dieser erhält im nächsten Schritt per Mail eine Datei inklusive einer 3D-Software („Viewer“) zugesandt. Darüber kann der verantwortliche Zahntechniker im Labor eine erste elektronische Zeichnung des Stegs bzw. Brückengerüstes aus allen Perspektiven begutachten und gegebenenfalls im Planungscenter Änderungen vornehmen lassen. Erst nach der endgültigen Freigabe erfolgt die frästechnische Umsetzung der vom Labor abgesegneten virtuellen Konstruktion in die „reale“ Arbeit. Nach spätestens sieben Arbeitstagen (gerechnet ab dem Zeitpunkt der Freigabe) wird sie ins Labor geliefert.
Andreas Maier: ein vielseitiges System
Auf die hohe Flexibilität, die das Labor in der Zusammenarbeit mit Compartis ISUS gewinnt, verwies Andreas Maier, verantwortlich für das Integrated Marketing der DeguDent: „Die verschraubbaren Stege und Brückengerüste sind alternativ in Titan oder Kobalt-Chrom lieferbar und mit vielen namhaften Implantatsystemen kombinierbar. Es kann sogar ein einziges Gerüst auf unterschiedlichen Implantat-Systemen in einem Kiefer ruhen. Dabei sind eine Verschraubung sowohl auf Implantat- wie auf Abutmentniveau und die Kombination mit verschiedenen Attachments möglich. Die Entscheidung liegt hier beim Zahnarzt mit seinem Partner-Labor. Die abschließenden Veredelung für den individuellen Patientenfall erfolgt im Labor – je nach Ausführung des Gerüsts als Fertigstellung mit konfektionierten Zähnen bzw. als Verblendung mit Keramik oder Komposit.“
Insgesamt ca. 250 Implantatsysteme sind derzeit bei E.S. Healthcare bereits hinterlegt – fast die Hälfte aller weltweit verfügbaren. Und das System ist offen, was bedeutet: Neues lässt sich bei entsprechender Nachfrage problemlos integrieren.
Paul Delee: aus Prinzip präzise
Der Director Technical Sales bei E.S. Healthcare, Paul Delee, erläuterte bei einer Werksführung Station für Station die Arbeitsabläufe in Hasselt. Er ist selbst Zahntechniker und war in der Industrie in unterschiedlichen Funktionen tätig. In den letzten Jahren hat er sich auf CAD/CAM spezialisiert.
Die computergestützte Fertigung bei E.S. Healthcare erfolgt an zahlreichen hochmodernen Fräsmaschinen, in der Mehrzahl mit fünf Achsen, darunter jedoch auch zwei Sieben-Achs-Systeme. Die vollautomatische Bearbeitung wird in zwei Stufen vorbereitet: CAD-Spezialisten modellieren virtuell die Gerüste, CNC-Ingenieure legen die Fräs-Strategie fest. Beides ist wegen der mächtigen, darum aber auch ausgesprochen komplexen Software jeweils eine Kunst für sich. So steht als „virtuelles Wachsmesser“ eine Maus mit einem zweigelenkigen Arm neben dem Monitor bereit. Damit können die Gerüst-Modellierer das zahntechnische Objekt am Bildschirm in mannigfaltiger Form variieren. Die Fräs-Strategen von E. S. Healthcare wiederum überlegen genau, an welcher Stelle der Roboter mit der spanabhebenden Bearbeitung beginnen und wie er sie anschließend fortführen soll. Damit sind selbst komplexe Geometrien, etwa mit Unterschnitten, machbar.
Eine dritte Abteilung beschäftigt sich ausschließlich mit der Qualitätskontrolle. Insbesondere stellen diese Mitarbeiter die Passung in Übereinstimmung mit den Anforderungen des Sheffield-Tests sicher.
„Eine noch weiter gehende Automatisierung ist nach meiner Einschätzung kaum möglich“, erläuterte Paul Delee. „Jedes Standard-Verfahren für Modellation und Fräs-Strategie würde hinter der zahntechnisch gebotenen individuellen Formgebung zurückbleiben oder die für die Passung erforderliche Präzision im Mikrometerbereich gefährden.“ Die Mitarbeiterzahl in Hasselt, rund 65, setzt sich durchweg aus Spezialisten zusammen. Selbst bei zahntechnischer Vorbildung absolvieren die meisten zu Beginn eine zusätzliche Spezialausbildung.
Die Kompetenz, für die E.S. Healthcare bzw. die Muttergesellschaft E.S. Tooling seit über 15 Jahren steht1,2, heißt: Fräspräzision. „Mit der klassischen lost-wax-Technik lassen sich die für verschraubte implantatprothetische Konstruktionen nötigen Passungen kaum erreichen“, weiß Paul Delee aus Erfahrung. „Die Passgenauigkeit, die wir wirklich brauchen, ist nur durch industrielles Fräsen zu erzielen.“
Dr. Sven Rinke: aus klinischer Sicht mit guter Prognose
Die spanabhebende Formgebung kann man von außen durch eine Scheibe mitverfolgen: Drehung des Fräsarms in allen Richtungen, ständige Kühlung durch ein mit hohem Druck auf das Gerüst einströmendes wässriges Spezialfluid, schließlich die automatische Entnahme des fertiggefrästen Stegs oder Brückengerüsts – das ist technisch faszinierend. Warum es auch in der klinischen Praxis seinen Platz haben sollte, erläuterte Dr. Sven Rinke. Dabei konzentrierte er sich weitgehend auf die Situation des zahnlosen Kiefers.
„Unter den möglichen Behandlungsformen empfinden Patienten implantatretinierte Prothesen gegenüber einer Totalprothese als Verbesserung ihrer Lebensqualität“, zitierte Dr. Rinke die einschlägigen Studien3,4. „Interessanterweise hat eine Untersuchung, in der Patienten nacheinander jeweils sechs Monate eine abnehmbare und sechs Monate eine festsitzende Alternative testeten, ergeben: 75 Prozent fanden die abnehmbare Variante besser.“
Dafür kommen verschiedene Lösungen in Frage: Teleskop, Steg, Magnet, Kugelkopf. Aus der aktuellen Studienlage lassen sich, so Dr. Rinke, die folgenden Aussagen ableiten. Die Magnetvariante wird gegenüber dem Kugelkopf als „rutschend“ empfunden. Der subjektive Vergleich zwischen Steg und Kugelkopf bzw. zwischen Teleskop und Kugelkopf geht unentschieden aus – aber der Erhaltungsaufwand für die letztere Variante liegt deutlich am höchsten. Der für den Patienten niedrigere Anschaffungspreis wird durch die Reparaturrate mehr als kompensiert. Des Weiteren zeigt die Gegenüberstellung von klassischen Rundstegen und gefrästen Stegen: Frakturen treten praktisch nur bei Rundstegen auf und auch geringgradige Komplikationen eher bei diesen als bei den gefrästen Konstruktionen.
Aus den vorliegenden Resultaten zog Dr. Rinke einen wesentlichen Schluss: „Während bis vor kurzem Lehrmeinungen die Behandlung des zahnlosen Kiefers bestimmten, können wir uns heute auf wissenschaftlich untermauerte Konzepte stützen.“ Während zur Einbeziehung vorhandener Restbezahnung oder bei strategischer Pfeilervermehrung die Entscheidung zugunsten einer Teleskoparbeit fallen kann, sprechen in allen anderen Fällen insbesondere die hohe Passgenauigkeit und das gegen Null gehende Frakturrisiko für industriell gefräste Stege, wie sie via Compartis ISUS verfügbar sind. „Damit werden bewährte implantatprothetische Konzepte technisch optimiert“, betonte Dr. Rinke. „Sowohl der Steg auf vier anterioren intraforaminal inserierten Implantaten als auch laterale Stege funktionieren mit hoher Erfolgsrate.“ Für das Behandlungsergebnis und die Zusammenarbeit im Team mit dem Labor entscheidend sind unter anderem die Anfertigung eines Transferschlüssels nach der Abformung, und (als Muss!) eine Wachsaufstellung zu einem frühen Zeitpunkt innerhalb des Gesamtprozederes.
Soweit zu den Stegen – nun zu den gefrästen Brückengerüsten: Auch hier treffen wir auf ein heterogenes Feld von Lehrmeinungen, wobei die Hälfte der deutschen Hochschulen diese Versorgungsform für obsolet halten dürfte, während sie im Benelux-Raum oder in den USA zum weithin üblichen Standardangebot eines Labors bzw. einer Praxis gehört. Insbesondere die bekannte Procera implant bridge ist bereits seit 1999 im Markt und dabei gut untersucht. Sie wird allerdings, gemäß dem damaligen Stand der Technik, im Kopierfräsverfahren hergestellt. Im Unterschied dazu ist inzwischen das virtuelle Design, wie oben dargestellt, möglich. Die dadurch gewonnenen Optionen bei der Modellation in Kombination mit der Passgenauigkeit bei der frästechnischen Umsetzung und die gute klinische Dokumentation über zehn Jahre sprechen nach Einschätzung von Dr. Rinke heute für diese Versorgungsform.
Alexander Drechsel: aus zahntechnischer Sicht die Zukunft
Auch aus der Perspektive des zahntechnischen Labors stellen sich die verschraubbaren Stege und Brückengerüste als Chance dar. In einem bewegten Marktumfeld mit hohem Entwicklungstempo sieht ZTM Alexander Drechsel, Laborinhaber aus Passau und damit ein echter Praktiker, in Compartis ISUS eine Option für die gelungene Zusammenarbeit mit der Industrie. „Die Investition in eine Fräsmaschine, wie sie hier in Hasselt steht, ist für das Labor in der Regel nicht zu stemmen“, sagte er. „Ich persönlich hätte auch gar keinen Platz dafür, geschweige denn einen Mitarbeiter, der so stark mit dem Computer eins werden könnte wie diejenigen, die wir bei der Werksführung gerade gesehen haben.“ Alexander Drechsel verarbeitet ISUS-Suprastrukturen bereits, und der Erfolg gibt ihm Recht.
„Bissnahme beim Patienten und Wachsaufstellung, das Auftragsformular ausfüllen, einen Tag später kommt der Viewer. Da kann ich die elektronische Zeichnung in allen Dimensionen durchscrollen Super hilfreich sind dabei übrigens auch die zweidimensionalen Darstellungen – das Verfahren funktioniert im Laboralltag einfach“, resümierte Drechsel. „Es ist ein wesentlicher Teil unserer Zukunft: Das Labor nutzt diese High-end-Technologie der Produktion und macht daraus individuelle Restaurationen für den Patienten.“
Einen Ausblick auf kommende Innovationen innerhalb des implantatprothetischen Gesamtangebots von DeguDent gab schließlich Andreas Maier. „Natürlich befassen wir uns mit weiteren Innovationen bei Compartis ISUS. Unsere Maxime ist höchste Präzision, Sicherheit und ein wirklicher Mehrwert für unsere Kunden. Darüber hinaus bieten wir mit Compartis einteilige individuelle Abutments aus Zirkonoxid und Titan für Ankylos und Xive an. Hier erfolgt unsere Angebotserweiterung sukzessiv auch für andere Implantat-Systeme. In absehbarer Zeit werden darüber hinaus zweiteilige individuelle Abutments folgen.
Unser Angebot für die Implantatprothetik umfasst ein breites Spektrum, um die wirklichen Wünsche der Patienten zu erfüllen“, so Maier, „kurz: das Gefühl von festsitzenden Zähnen, eine hohe klinische Sicherheit – und dies mit Wahlmöglichkeiten von der kleinen, eher preisorientierten bis zur Luxuslösung. Diese Möglichkeit ist, bei allen Ergänzungen von morgen, heute schon Realität. Dabei ist es die Aufgabe von Compartis ISUS, im Bereich der verschraubten Suprakonstruktionen die Sicherheit bewährter implantatprothetischer Konzepte zu erhöhen und damit sowohl dem Labor als auch dem Zahnarzt und dem Patienten einen echten Mehrwert zu bieten.“
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